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Die deutschen Museen und das Social Web

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Jules Verne und der erste Twitter-Guide der Welt

Der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) hat es sich zum Ziel gesetzt, mit der Tradition langweiliger Audio-Guides zu brechen und erprobt für seine aktuelle Ausstellung ein neues Format. Der Twitter-Guide, der nach eigenen Angaben weltweit der Erste sein soll, ist seit gestern verfügbar. Die Pressekonferenz musste ich leider verpassen, da ich gerade noch im Urlaub bin, aber ich war bei einem Teil der Entstehung dabei, und kann deshalb doch den einen oder anderen Einblick geben.

HMKV Workshop Twitterguide 10, Ausstellung _Das Mechanische Corps_, HMKV im Dortmunder U © Rebekka Zajonc

Workshop zum Twitter-Guide im Rahmen der Ausstellung „Das Mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne“, HMKV im Dortmunder U, 11.04-12.07.2015 @ HMKV

Der Workshop: eine kreative Reise mit den Herbergsmüttern

Der HMKV lud vor etwa zwei Wochen kulturell interessierte Twitterer (s.u.) ins Dortmunder U. Am Tag der Eröffnung der Ausstellung „DAS MECHANISCHE CORPS. Auf den Spuren von Jules Verne“, fanden wir uns dort unter der Regie der Herbergsmütter, vertreten durch Anke von Heyl und Ute Vogel, zusammen. Wir bekamen verschiedene Materialien und Aufgabenstellungen an die Hand, die einen kreativen Prozess anregen und uns zunächst zur Auseinandersetzung mit der Ausstellung, später dann zum Twittern darüber inspirieren sollten. Mithilfe einer „Schatzkarte“, auf der vierzehn Objekte verzeichnet waren, zu denen wir auch im Vorfeld bereits einige Informationen bekommen hatten, gingen wir auf die Reise. Ebenfalls dabei hatten wir eine Matrix, die uns dabei helfen sollte, die Kunstobjekte für uns selbst zu kategorisieren und in einen Bezug zu den Romanen Jules Vernes zu setzen. Hier wurde es für mich besonders spannend, ist einer der Romane doch „In 80 Tagen um die Welt“, zu dem es im Museum für Kommunikation Frankfurt, für das ich die Social-Media-Auftritte betreue, gerade ebenfalls eine – wenn auch vollkommen andere – Ausstellung gibt.

Nach dem ersten, individuellen Rundgang kamen wir wieder zusammen, und der nächste Programmpunkt war für mich eine Premiere: Wir machten ein Speed-Dating. Natürlich nicht im klassischen Sinne. 😉 Wir Twitterer saßen in einer Reihe, uns gegenüber fünf der beteiligten Künstler, Kurator Christoph Tannert und Dr. Inke Arns, die künstlerische Leiterin des HMKV. Das Format muss man mögen, aber in diesem Falle gab es uns die Gelegenheit, kurze, knackige (also quasi „twitterartige“) Einblicke in die Werke und die Konzeption der Ausstellung zu erhalten.

HMKV Workshop Twitterguide, Speeddating 1, Ausstellung _Das Mechanische Corps_, HMKV im Dortmunder U © Rebekka Zajonc

Workshop zum Twitter-Guide im Rahmen der Ausstellung „Das Mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne“, HMKV im Dortmunder U, 11.04-12.07.2015 @ HMKV

Derart mit Input versorgt widmeten wir uns der nächsten Aufgabe: In kleinen Gruppen gingen wir auf Abenteuerreise. Jeder der Gruppen diente jeweils einer der drei Romane, auf denen die Ausstellung basiert, als roter Faden: „In 80 Tagen um die Welt“, „20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Wer die Herbergsmütter kennt, den wird es nicht überraschen, dass wir aufgefordert waren, unterwegs Reisefotos zu machen – ausgerüstet mit Requisiten wie Gehstock, Zylinder und Bart. Ganz 19. Jahrhundert eben. 😉 Und die ganze Zeit wurde getwittert…

 

Das Resultat: Der Twitter-Guide zu „DAS MECHANISCHE CORPS“

Herausgekommen ist ein innovativer Guide durch die Ausstellung, der übrigens noch keineswegs fertiggestellt ist. Daran darf jeder künftige Besucher der Ausstellung mitwirken. Der Guide ist kostenfrei verfügbar, und zwar auf verschiedene Arten: Man kann sich vor Ort ein Gerät ausleihen, auf dem er vorinstalliert ist, als Nutzer von iOS oder Android kann man ihn auch aufs eigene Gerät herunterladen, und selbst von ferne kann man über den Link www.guide.hmkv.de darauf zugreifen. Innerhalb des Guides hat man zwei Touren zur Auswahl: den „klassischen“ Rundgang durch die Ausstellung oder die abenteuerliche Tour, auf denen man unsere, von den Romanen inspirierte, Routen durch die Ausstellung nachvollzieht.

Screenshot

Jeder Nutzer der mobilen Version hat die Möglichkeit, die hinterlegten Tweets zu kommentieren, zu favorisieren, zu retweeten… Und natürlich, seine eigenen zu verfassen, die dann nach Kuratierung durch den HMKV eventuell ebenfalls in den Guide einfließen. (Falls das jetzt nach Zensur klingen sollte: Ich finde es absolut vernünftig, dass eine Auswahl stattfindet. Schließlich lebt das Format von der Überschaubarkeit und Prägnanz; von eventuellen Fehlern, die einem ganz schnell unterlaufen können, mal zu schweigen.)

Das Ziel, das der HMKV mit dem Twitter-Guide verfolgt, passt gut zur aktuellen Debatte um die „Banalisierung“ der Kulturvermittlung: Es geht darum, die Fantasie der Besucher anzuregen und Kultur mit Hilfe von Geschichten zu vermitteln. Dabei treten die Bedeutung autorisierter Sprecher und auch die Deutungshoheit der Kuratoren in den Hintergrund.

 

Die Ausstellung: „DAS MECHANISCHE CORPS. Auf den Spuren von Jules Verne“

Wir hatten die Ehre, auch noch bei der Eröffnung der Ausstellung dabei zu sein. Sie ist noch bis zum 12. Juli 2015 zu sehen, und ich kann einen Besuch nur empfehlen. (Die Gelegenheit bietet sich übrigens zum Beispiel bei Block 0 der MAI-Tagung am 10. Mai.) Wer etwas für Jules Verne und/oder Steampunk übrig hat, sollte dort auf seine Kosten kommen.

Bei der ausnehmend gut besuchten Eröffnung war die Stimmung zwanglos und sehr angenehm, eine Referenz ist sicher auch, dass die Mehrzahl der beteiligten Künstler anwesend war – und das, obwohl die Ausstellung schon zum zweiten Mal gezeigt wird. (Sie stammt aus dem Künstlerhaus Bethanien.) Für diejenigen, die bis 21 Uhr durchhielten, gab es ein Highlight: die Performance des Soundpanzers von Nik Nowak (Link). Obwohl ich nach dem langen Tag und der staubedingt anstrengenden Hinfahrt schon ziemlich erledigt war, habe ich mich gefreut, noch geblieben zu sein. Wann bekommt man schon am Eingang der Tiefgarage eines Kunstmuseums Ohrenstöpsel ausgehändigt und wartet mit einer Traube Leute auf den Beginn einer Performance, an der die Teilnahme „Nur auf eigene Gefahr“ erfolgt? Eben. 😉

 

Nik Nowaks Soundpanzer bei Tageslicht. Foto: Tanja Neumann

Nik Nowaks Soundpanzer bei Tageslicht. Foto: Tanja Neumann

Damit bleibt mir nun eigentlich nur noch, mich beim HMKV, insbesondere bei Barbara Wolf, für die Einladung zu dieser spannenden Aktion zu bedanken und viel Erfolg zu wünschen! Ach ja, und ich muss Ihnen natürlich noch verraten, wer alles dabei war:

 

Die Beteiligten:

Am Workshop-Tag dabei waren Axel Kopp (www.axelkopp.com), Barbara Wolf (www.culturebrands.de), Maike Kranaster aka Dortmundermädel (www.dortmundermaedel.de), Jelena Löckner (www.narratool), Klaudia Pirc (@k_laydo), Mike Litt (@Mike_Litt), Jens Matheuszik von www.pottblog.de, Sven Jakubowski (@word_c_consume) und ich. Außerdem am Guide beteiligt waren Holger Rohde (@holroh), Karola Garling (@karolag19) und Otto Garling (@otto_garling).

 
Update 6.5.2015:

Jetzt, da ich wieder im Lande bin und eine vernünftige Internetverbindung habe, möchte ich Sie auch noch auf die anderen Berichte zum Thema hinweisen:

 

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