museums(t)raum

Die deutschen Museen und das Social Web

museums(t)raum - Die deutschen Museen und das Social Web

3 Gründe, warum Ihr Content für Ihre Zielgruppe nie relevant genug sein kann

Jeder, der sich an „dieses Internet“ heranwagt und versucht, seiner Botschaft Gehör zu verschaffen, steht vor einer Herausforderung: Wie wird man wahrgenommen? Die Antwort, die man am häufigsten hören wird und die Disziplinen wie Content Strategy und Content Marketing begründet, ist „Stellen Sie Inhalte bereit, die für Ihre Zielgruppe relevant sind.“ Warum das notwendig ist, und warum es manchmal so schwer ist, begründet John Lavine in drei Sätzen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will.

John's 3 Truths

(Möchten Sie diesen Beitrag lieber anhören? Dann bitte hier entlang zum Podcast.)

 

John Lavine ist übrigens Professor of media management and strategy an der Medill School of Journalism (Northwestern University). Ich bin über einen MOOC zum Thema Content Strategy auf seine Theorien aufmerksam geworden. Was ich Ihnen im Folgenden referieren werde, ist bekannt als „John’s 3 Truths“, also Johns drei Wahrheiten. Es sind keine neuen Erkenntnisse; keines der drei Postulate wird Sie für sich betrachtet überraschen. Ich finde aber, sie fassen wunderbar prägnant und anschaulich zusammen, warum wir es nicht immer leicht haben mit dem relevanten Content.

Legen wir also los:

1) There is a rapidly rising tidal wave of information and it will continue to rise forever.

Meine Übersetzung: Es gibt eine schnell ansteigende Flutwelle von Information, und sie wird für immer weiter wachsen.

2) Everyone you want to reach has 1440 minutes in their day; not one minute more, and most of that time is already used up with essentials such as eating, sleeping, working, spending time with people you care about, etc. That means that there is ferocious competition for people’s precious, limited time.

Meine Übersetzung: Jeder, den Sie erreichen wollen, hat pro Tag 1.440 Minuten zur Verfügung; nicht eine Minute mehr, und der Großteil dieser Zeit ist bereits belegt mit essentiellen Dingen wie Essen, Schlafen, Arbeiten, Zeit mit wichtigen Menschen verbringen, usw. Das bedeutet, dass es einen erbitterten Wettbewerb um die kostbare, endliche Zeit der Menschen gibt.

3) The world is becoming ever more complicated, but people will give you their time and attention if you give them more of what they want.

Meine Übersetzung: Die Welt wird immer komplizierter, aber die Menschen werden Ihnen ihre Zeit und Aufmerksamkeit schenken, wenn Sie ihnen mehr von dem geben, was sie wollen.

 

So weit, so gut. Es stimmt zweifellos, dass wir heute ein Überangebot an Content haben, das uns jederzeit zur Verfügung steht. Wenn man früher noch sagen konnte, „Das ist so schwer zu kriegen“ oder „Den kannte ich noch gar nicht“, um zu erklären (oder zu rechtfertigen), warum man ein Buch noch nicht gelesen oder einen Film noch nicht gesehen hatte, gilt das heute nicht mehr. Fast alles ist jederzeit und überall verfügbar. Wir können lesen, schauen, hören was immer uns wichtig genug ist.

Mehr denn je ist jeder sein eigener Kurator: Wir bestimmen anhand von Notwendigkeiten, Interessen und persönlichen Neigungen, womit wir uns wie intensiv befassen. Für Firmen und Institutionen (aber auch für Blogger 😉 ) bedeutet das, wir können nicht mehr davon ausgehen, dass unsere Botschaften ankommen. Es reicht nicht mehr, sie über den richtigen Kanal zu streuen. Jede einzelne Nachricht muss für sich gesehen relevant genug sein, um ihr Publikum zu finden. Wer gehört werden will, muss also nicht verbreiten, was er sagen möchte, sondern was seiner Zielgruppe weiterhilft.

Gleichzeitig leite ich aus diesen drei Wahrheiten auch ab, dass wir manchmal mit mehr Gelassenheit an die Sache herangehen sollten. Denn wenn unsere Inhalte nicht in der gewünschten Frequenz konsumiert werden, heißt das nicht automatisch, dass sie unterirdisch schlecht sind. Es ist einfach so, dass niemand mehr die Zeit hat, jeden interessanten Artikel zu lesen oder jedes gute Video anzuschauen. Wenn unsere Strategie nicht funktioniert, müssen wir also nicht gleich alles hinschmeißen und uns selbst bemitleiden – vielleicht schauen wir einfach mal, ob nicht ein anderes Format besser funktionieren könnte. Zum Beispiel verbringt unsere Zielgruppe vielleicht so viel Zeit vor diversen Bildschirmen, dass es nicht mehr in die Tüte kommt, einen weiteren Artikel zu lesen. Aber vielleicht würden sie ihn sich ja in der U-Bahn anhören?

  • Anke von Heyl sagt:

    Liebe Tanja,

    gute drei Sätze! Manchmal ist es eben doch keine komplizierte Sache, man muss nur noch mal genau hinschauen. Danke für deinen Blogbeitrag. Ich bin genau deiner Meinung, dass man gut überlegen sollte, was man für welchen Kanal macht. Und dass man seine Zielgruppe eben genau dafür gut kennen muss. Die Erkenntnisse sind schlicht, aber die Schlussfolgerungen daraus umso komplexer. Und ich finde auch, dass man den Faktor Zeit nicht oft genug betonen kann. Das ist das wichtigste Gut, wenn es um die Aufmerksamkeit geht.

    Liebe Grüße aus dem Rheinland
    Anke

    • Tanja Neumann sagt:

      Liebe Anke,

      danke dir! Du hast vollkommen Recht – es ist absolut zentral, seine Zielgruppe in- und auswendig zu kennen. Ich glaube, es müssen auch nicht immer neue Erkenntnisse sein. Manchmal schafft es jemand einfach, etwas, was man im Prinzip schon wusste, so gut auszudrücken, dass man es weniger leicht aus den Augen verliert. Außerdem finde ich es als Argumentationshilfe nützlich, wenn man gerade mal wieder diskutieren muss, warum wir nicht einfach die Pressemitteilungen auf Facebook posten können. 😉

      Liebe Grüße,
      Tanja

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*