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Die deutschen Museen und das Social Web

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#schirnup – das 1. Bloggertreffen in der Schirn

Am Donnerstag, den 26. Juli fand in der Schirn das erste Bloggertreffen in der Geschichte der Kunsthalle statt. Die Wahl des Namens, „MEET UP. TWEET UP. KOONS UP.“ (inspiriert von „KultUp – Tweet up your cultural life!„, das im Anschluss um 18.15 Uhr in Schirn und Liebieghaus stattfand) in Kombination mit dem Hashtag #schirnup führte zu einigen amüsierten und amüsanten Kommentaren:

Die Veranstaltung war im SchirnMag angekündigt worden, und zwar mit einem offenen Aufruf an interessierte Blogger. Einschränkungen gab es also keine, allerdings wurden einige Blogger im Vorfeld gezielt angesprochen.

Laut Ankündigung war das Ziel des Treffens, zu erörtern, welche Bedeutung Blogs im Kunst- und Kulturbereich haben und wie Kultureinrichtungen sich besser mit Bloggern vernetzen können. Um die Diskussion anzuregen, waren zwei Redner eingeladen: Dr. Mercedes Bunz, eine Kulturwissenschaftlerin und Journalistin, die selbst ein Blog betreibt und sich auf gesellschaftliche Phänomene rund um die Digitalisierung spezialisiert ist, sowie Matthias Planitzer, der mit seinem Blog „Castor & Pollux“ kürzlich den Lead Award erhielt.

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Mercedes Bunz stellte in ihrem sehr interessanten und informativen Vortrag klar, dass Blogger keine neue Art von Journalisten seien, sondern etwas ganz Eigenes. Sie erklärte, dass „Do it Yourself“ in unserer Kultur von der Ausnahme zur Regel geworden sei, und Blogger positionierten sich an genau dieser Schnittstelle: Dem professionellen Journalismus sind durch seine Standards bestimmte individuelle Herangehensweisen verbaut; Blogger können ihre Form der Berichterstattung selbst laufend neu erfinden.

Matthias Planitzer hatte sich leider dagegen entschieden, wie wohl im Vorfeld vereinbart über sein Blog zu berichten, und stellte stattdessen die Frage, welche Eigenschaften von Blogs sie für Kulturinstitutionen spannend machen. Jenni Fuchs hat schon angemerkt, dass das keine gute Entscheidung war, und ich kann mich nur anschließen -die Erfolgsgeschichte von „Castor & Pollux“ hätte ich lieber gehört als seine zwar offenbar sehr gründlich recherchierten, aber manchmal kurzsichtigen Ausführungen über die Vorteile von Blogs gegenüber Printmedien. (Allein schon das: Die Existenz von Online-Magazinen macht diese gesamte Debatte überflüssig!)

Eine Ergänzung muss ich selbst zu den beiden Vorträgen noch loswerden: Der Aspekt der Glaubwürdigkeit von Blogs klang zwar an, wurde aber nicht kontextualisiert. Meiner Ansicht nach steigt die Relevanz von Blogs und wird auch in Zukunft noch steigen, weil es sich dabei um ein Symptom der generellen Entwicklung des Internets handelt. Fred Vogelstein hat schon im Juni 2009 in „The Great Wall of Facebook“ dargelegt, dass es zwei dominante Einflüsse gebe: Google mache das Internet gläsern, alles werde ohne nennenswerte Anstrengung auffindbar. Gleichzeitig schotte Facebook einen Teil des Internets ab, in dem man sich nur mit Anmeldung und eingeschränkt durch die Privatsphäre-Einstellungen der Mitglieder tummeln könne. Google steht in diesem Modell für die Objektivität, Facebook für Meinungen. Dennoch beobachtet Vogelstein, dass die Meinung eines Freundes schwerer wiegen kann als ein objektiver Wert:

Why settle for articles about the Chrysler bankruptcy that the Google News algorithm recommends when you can read what your friends suggest?

Ähnlich funktioniert der Hashtag #followerpower – man bittet Menschen, die man kennt, aber auch solche, mit denen man ein Interesse teilt, um Meinungen oder konkrete Unsterstützung. Auch das ist meines Erachtens eine Schnittstelle, an der sich Blogs ansiedeln. Sie können die Fachkompetenz und/oder das Wissen des Bloggers mit der Glaubwürdigkeit kombinieren, die er durch seine Person (und auch das zunächst nur für einen bestimmten Personenkreis) hat.

Im Anschluss an die Vorträge stellten Carolyn Meiding, Luise Bachmann und Fabian Famulok die Online-Aktivitäten der Schirn vor. Besonders hängen geblieben ist davon bei mir ein Statement von Luise Bachmann: Die Schirn wertet auch Online-Besucher als Besucher. Willkommen in der Realität des Social Web, liebe Museen! Auf diese Position der Schirn werde ich mich ab jetzt immer beziehen, wenn wieder mal die Frage laut wird, ob man mit Twitter, Facebook & Co. wirklich auch „echte“ Besucher generieren könne.

Den Abschluss des „offiziellen Programms“ bildete eine von Mercedes Bunz moderierte Podiumsdiskussion. Toll fand ich, dass sie offenbar die ganze Zeit den Twitter-Stream mitgelesen hatte und die Diskussion mit einer Frage eröffnete, die Christian Gries dort gestellt hatte. Um sie zu zitieren:

Es ist etwas schwierig, hier gleichzeitig zu moderieren und die Tweets zu lesen. Aber Multitasking ist das neue Überleben.

Großartig!

Während der Vorträge und der Diskussion wurde jedenfalls fleißig weitergetwittert. Wer Lust hat, die Tweets nachzulesen, kann das hier auf Storify tun. Wie produktiv die Diskussion für die Schirn war, vermag ich nicht zu sagen. Teilweise glitt sie leider in den alten Streit ab, was ein echter Blogger ist. Sollte er sich bezahlen lassen? Muss er bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt über ein gegebenes Thema bloggen zu dürfen? Was dabei auf jeden Fall offensichtlich wurde, ist, dass jeder Blogger ein Individuum ist und es keine allgemeingültige Lösung auf die Frage geben kann, wie man mit Bloggern ins Gespräch kommen könnte. Dennoch gibt es natürlich Wege, die mehr Erfolg versprechen als andere. Zwei schöne Ansätze haben Christian Henner-Fehr und Tanja Praske schon präsentiert.

Nach einer kurzen Pause mit Erfrischungen führte Kurator Matthias Ulrich die Blogger durch die Ausstellung „Jeff Koons. The Painter“. Über diese Ausstellung, genau wie über „Jeff Koons. The Sculptor“ habe ich hier schon berichtet.

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Danach brachten die Skoda-Koons-Shuttles sie ins Liebieghaus, wo sie um 18.15 Uhr am KultUp teilnehmen konnten, das leider aufgrund eines Twitter-Crashs zur Hälfte analog blieb. Kurator Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann und Pascal Heß führten durch „Jeff Koons. The Sculptor“. Wer sich für meine Eindrücke davon interessiert, kann sie hier finden.

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Ausklingen lassen konnte man den Abend dann im Garten des Liebieghauses bei einem kühlen Drink. An dieser Stelle vielen Dank für die Einladung, die nette Bewirtung und den Katalog!

Ich bin sehr gespannt, wie die Reise für die Schirn weitergeht und ob Blogger Relations in der Zukunft der Kunsthalle eine größere Rolle spielen werden. Vielversprechend ist, dass es auch im SchirnMag einen Artikel zum Bloggertreffen gibt, unter dem Reaktionen auf Blogs gesammelt und verlinkt werden.

  • QWoo sagt:

    Vielen Dank für die schöne Zusammenfassung dieses einzigartigen Social-Media-Events in Frankfurt. Die auflockernden Bildergalerien finden wir fast noch besser als den eingebundenen Tweet von QWoo. 😉

    Wie wohl die Resonanz auf das 3. KultUp ohne Twitter-Crash gwesen wäre?

    • Tanja Neumann sagt:

      Vielen Dank für das nette Feedback! Der Tweet MUSSTE rein, der war zu schön. 😉

      Ohne Twitter-Crash? Legendär, glaube ich. So war die Beteiligung von außen nicht mehr groß, weil es einfach zu anstrengend war!

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